Wie verdienen Gratisbroker, Trade Republic und justTrade?

wie geht das?Trade Republic, justTrade und Gratisbroker sind so genannte low-fee- bzw. sogar no-fee-broker, da sie auf Gebühren für den Wertpapierhandel zum größten Teil bzw. sogar komplett verzichten. Der "teuerste" der drei Broker, Trade Republic, verlangt je Order 1€, egal für welchen Wert Aktien, ETFs oder Zertifikate erworben werden sollen.

Schnell stellt sich die Frage, wie sich die kostenfreien Broker finanzieren. Einige Personen vermuten beim kostenfreien Wertpapierhandel fälschlicherweise Betrug und gehen von unseriösen Anbietern aus. In diesem Artikel erklären wir das Geschäftsmodell der gratis Broker im Detail. Vorwegnehmen können wir, dass es sich bei alle drei low-fee-brokern um seriöse Anbieter aus Deutschland handelt und sie trotz der fehlenden Gebühren Geld verdienen können.


Kostenfreier Broker "Robinhood" als Vorbild

Trade Republic, justTrade und Gratisbroker haben mit ihrem Angebot das Rad nicht neu erfunden, sondern nur das erfolgreiche Geschäftsmodell von Robinhood aus den USA kopiert. Robinhood bietet bereits seit 2013 den kostenfreien Wertpapierhandel in den USA an und hat bereits über sechs Millionen Kunden. Ziel von Robinhood war es auch weniger wohlhabenden Kunden die sinnvolle Anlage in Wertpapiere zu ermöglichen. Die Gründer störten sich daran, dass normale Broker in den USA Wertpapieraufträge bestenfalls für 5 bis 10 USD ausführen, obwohl ihre Kosten nur bei wenigen Cents lägen. 

Robinhood bot nicht nur günstige Ordergebühren an, sondern verzichtet komplett auf diese. Seine Einnahmen erzielt der erste no-fee-broker aus ähnlichen Quellen wie die deutschen Nachahmer. Wie sich die Finanzierung der deutschen low-fee-broker gestaltet, wollen wir im Folgenden erklären. Zuerst sehen wir uns an, wie eine Direktbank im Depotbereich normalerweise ihr Geld verdient.

Wie verdienen Banken an ihren Wertapierdepots?

Wer bereits ein Depot bei einer Direktbank besitzt, wird sich sicherlich an die (hoffentlich) kostenlose Depotführung gewöhnt haben. Einige Direktbanken bieten sogar bestimmte ETF-Sparpläne ohne Kaufgebühren an. Die meisten Direktbanken bieten inzwischen ab und zu den Handel bestimmter Zertifikate oder Optionsscheine ohne Orderentgelte an. Bei solchen befristeten Aktionen gelten in der Regel Mindestvolumen von 1.000€ und es können nur bestimmte Produkte bestimmter Anbieter kostenlos gekauft werden. Aktien ließen sich in Deutschland bisher nur am "Tag der Aktie" gebührenfrei erwerben, dann allerdings nur die Standartwerte aus dem DAX und nur als Depotkunde einiger teilnehmender Direktbanken.

Vor dem Aufkommen der Direktbanken war an eine kostenlose Depotführung, günstige Ordergebühren oder kostenloser Sparpläne nicht zu denken. Die Direktbanken haben die Filialbanken in den letzten 10 bis 20 Jahren mit günstigeren Konditionen stark unter Druck gesetzt und auf bestimmte Einnahmen komplett verzichtet. Die gratis Broker gehen nun noch einen Schritt weiter und verzichten auf weitere Erlösquellen eines Depotanbieters, wodurch sie die Preise und Gebühren der etablierten Direktbanken noch weiter unterboten haben.

Banken und Broker haben generell die Möglichkeit folgende Einnahmen mit ihren Wertpapierdepots zu generieren:

Einnahmen eines Depotanbieters (Kurzfassung):

  • Depotgebühr
  • Verwahrentgelte
  • Orderentgelte
  • Querverkauf (Cros-selling)
  • Wertpapierkredite
  • Zahlungen von Handelspartnern, Produktherstellern und Market Makern
  • Bestandsprovisionen

Die meisten Filialbanken und Sparkassen verlangen eine monatliche Depotgebühr von ihren Kunden. Diese Gebühr fällt an, egal ob im Depot Wertpapiere verwahrt werden oder nicht. Einige Banken verlangen (zum Teil zusätzlich) ein Verwahrentgelt, das sich an dem Wert der im Depot verwahrten Wertpapiere bemisst. Bei Filialbanken (z.B. Targobank) und vielen Sparkassen trifft man häufig auf ein Verwahrentgelt, aber auch der Disountbroker flatex hat 2020 eine solche Gebühr eingeführt.

Die meisten Direktbanken verzichten jedoch auf eine Depotgebühr und Verwahrentgelte und verdienen an ihren Kunden hauptsächlich in Form von Orderprovisonen, wenn diese Trades tätigen. Wenn ein Kunde ein Depot eröffnet und es nicht nutzt, verdienen die Banken ohne feste Depotgebühr somit kein Geld. 

Zusätzliche Einnahmen können Banken noch übers Cros-selling Gewinne erzielen. Cros-selling bedeutet, dass Einnahmen über das ursprüngliche Produkt / Geschäft hinaus erzielt werden. Es wird sicherlich häufiger passieren, dass ein Kunde einer Filialbank ein Depot bei einer günstigeren Direktbank eröffnet. Ist er mit den Leistungen der Direktbank im Depotbereich zufrieden, informiert er sich eventuell über weitere Produkte der Bank und schließt diese ab (z.B, Kreditaufnahme, Versicherungen) oder zieht direkt mit seinem Hauptkonto zu online Bank um.

Viele Banken bieten außerdem Wertpapierkredite an. Bei einem Wertpapierkredit dienen der Bank  die im Depot verwahrten Wertpapiere als Sicherheit. Ein Wertpapierkredit wird in der Regel nicht in der Schufa vermerkt und kann nicht nur für den Kauf von Wertpapieren verwendet werden (nicht zweckgebunden). Normalerweise richtet die Bank ein extra Kreditkonto ein, das als Verrechnungskonto für den Wertpapierkauf dient. Werden Wertpapiere verkauft, werden die Verkaufserlöse ebenfalls dem Kreditkonto gutgeschrieben. Die Bank verdient an einem Wertpapierkredit an Zinsen und geht selber kein allzu großes Risiko ein, da man sein Depot nie zu 100% beleihen kann, sondern je nach Wertpapier nur ein bestimmter Beleihungswert (z.B. 60% bei deutschen Aktien) möglich ist.

Die größten Einnahmen erzielen Banken mit ihren Depots jedoch durch Ordergebühren. Die weiteren Einnahmequellen tragen deutlich weniger zum Gewinn der Bank bei. Ein no-cost-broker nutzt alle der genannten Einnahmen nicht, sondern beschränkt sich in der Regel auf Einnahmen durch Zahlungen von Handelspartnern und Bestandsprovisionen. Die in der Liste weiter o.g. Einnahmen nutzt jedoch jede Bank oder Sparkasse zusätzlich zu den wenigen Erlösquellen der low-fee-brokern.

Wie können justTrade, Trade Republic und Gratisbroker Geld verdienen 

Weiter oben haben wir erklärt, dass eine übliche Bank auf unterschiedlichen Wegen mit einem Depot Geld verdienen kann. Die Haupteinnahmen erzielen alle "normalen" Depotanbieter durch Kauf- und Verkaufsgebühren, die dem Kunden in Rechnung gestellt werden. Auf diese Einnahme und auch auf Depotgebühren, Wertpapierkredite, Verwahrentgelte und Querverkäufe verzichten die gratis Broker und beschränken sich auf Einnahmen durch Handelspartner und Bestandsprovisionen.

Wir wollen uns die beiden Erlösquellen, die übrigens alle Banken haben und nutzen, im Folgenden genauer anschauen:

1. Bestandsprovisonen für den Depotanbieter

Fonds und ETFs verursachen jährliche Kosten, die man in der Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio > TER) ablesen kann. Die jährlichen Kosten fallen z.B. für die  Geschäftsführung des Fonds, das Management oder auch für benötigte Wirtschaftsprüfer an. Als Kunde merkt man von den Gebühren nichts, da sie laufend über das Jahr verteilt aus dem Fondsvermögen entnommen werden. Außerdem bewegen sie sich nur in einer Größenordnung von 0,01% bis ca. 1% bei ETFs und 0,5% bis 2% bei Fonds. Inzwischen muss zu jedem Fonds und ETF die TER angegeben werden, damit man die unterschiedlichen Produkte von den Kosten her besser vergleichen kann. Diese Gebühren nimmt der Herausgeber des Fonds (Kapitalanlagegesellschaft) ein und schüttet einen Teil an den Vermittler bzw. die Depotbank aus.

Die Weitergabe der Provision (Kick-back Vergütung) soll dafür sorgen, dass die Banken ihren Kunden nicht nur die Produkte verkaufen, sondern diese bestenfalls auch im Bestand halten. Würde der Herausgeber der Fonds keine Kick-Back-Vergütung an die Vermittler bzw. Banken bezahlen, würden diese die Produkte des jeweiligen Anbieters erst gar nicht anbieten bzw. zumindest nicht offensiv umwerben. Aus diesem Grund ist es üblich, dass Depotanbieter einen Teil der Fonds- und ETF-Gebühren in Form einer Bestandsprovision erhalten.

Lange Zeit wurden z.B. ETFs nur von den wenigsten Banken offensiv vermarktet und Kunden viel lieber aktiv gemanagte Investmentfonds angeboten. Dies lag nicht etwa daran, dass die Fonds eine bessere Wertentwicklung vorzuweisen haben, sondern dass ETFs über eine nur sehr geringe Kostenquote verfügen (was ja sogar besser für den Kunden wäre!) und daraus resultierend eine deutlich geringere Bestandsprovision an die Banken ausschütten. 

ETF-Partner der gratis Broker

Die Höhe der Bestandsprovision für die Banken soll Verhandlungssache sein. Je nach Quelle liest man, dass in etwa 10% bis 50% der Fonds- bzw. ETF-Gebühren an die Bank ausgeschüttet werden. Die an die Bank gezahlte Bestandsprovision  bei einigen Aktien- und Mischfonds liegt somit bei ca. 0,25% bis 1% bezogen auf das verwahrte Fondsvermögen. Bei Rentenfonds und ETFs fallen die Bestandsprovisonen für die Bank geringer aus, da auch die vom Kunden zu tragenden Gebühren geringer sind.  (Vom Ausgabeaufschlag bzw. Agio eines Fonds sollen die Banken sogar den größten Teil behalten dürfen. Auf Ausgabeaufschläge verzichten jedoch die meisten Direktbanken und alle getesteten gratis Broker).

Die auf unserer Seite vorgestellten low-cost-Broker bieten oft nur ETFs eines oder weniger Emissionshäuser an. Trade Republic bietet zum Beispiel nur ETFs von ishares und WisdomTree an. 300 dieser ETFs können in Form eines Sparplans ohne Kaufgebühren erworben werden, was mehr kostenfreie Sparpläne als bei den meisten deutschen Direktbanken bedeutet. ETFs sind in der Regel austauschbar. Ob der ETF auf einen bestimmten Index - wie z.B. den DAX - nun von ishares, Lyxor, xtrackers oder sonst wem ist, sollte egal sein. Allerdings kommt es immer mal zu minimalen Abweichungen bei der Kostenquote. Die von den kostenlosen Brokern angebotenen ETFs haben keine generell höhere Kostenquote. Das Problem liegt eher darin, dass man keine Auswahlmöglichkeit hat. Eventuell gibt es zum Beispiel einen Dow-Jones-ETF eines anderen Anbieters mit einer geringeren TER als der bei Trade Republic angebotene von ishares. Dennoch ist es in der Regel günstiger einen ETF mit einer minimal höheren TER zu erwerben, als für jede Sparplanausführung eine Gebühr zahlen zu müssen. Außerdem bieten die größeren Direktbanken selbst auch immer nur ETFs oder Fonds bestimmter Anbieter als kostenfreien Sparplan an, wenn sie überhaupt auf Kaufgebühren bei einem Sparplan verzichten.

Die Beschränkung auf bestimmte ETF-Anbieter sichert den no cost brokern vermutlich höhere Einnahmen in diesem Bereich. Trade Republic hat sich sicherlich auf die ETFs von ishares (und WisdomTree) beschränkt, da der Herausgeber mehr von seinen Einnahmen an Trade Republic ausschüttet, als vielleicht Lyxor es getan hätte. Für Kunden ergibt sich aus dieser Einschränkung, wie weiter oben erklärt, wenn überhaupt ein nur sehr kleiner Nachteil. Die extrem günstigen Kauf- und Verkaufsgebühren gleichen diesen Nachteil mehr als nur aus.

Beispiel für die Einnahmen aus Bestandsprovisonen

Die Direktbank DirektXX hat 100.000 Kunden, die im Schnitt 10.000€ in ETFs und Fonds in ihren Depots liegen haben. Insgesamt verwahrt DirektXX somit ein Fondsvolumen im Wert von einer Milliarde Euro für ihre Kunden. Nehmen wir der Einfachheit halber an, dass die Bank 0,25% des Wertes in Form von Bestandsprovisionen ausgeschüttet bekommt, so ergibt sich eine Einnahme in Höhe von 2,5 Millionen Euro. Für eine Direktbank mit 100.000 Depotkunden sicherlich keine sehr große Summe, aber für den sehr geringen Aufwand vermutlich ein nettes Zubrot. 

Bestandsprovisionen sind für eine Bank bzw. einen Broker eine nicht zu vernachlässigende Einnahme, allerdings lassen sich erst größere Erträge erzielen, wenn die Bank bereits eine große Kundenbasis hat und ein insgesamt hohes Volumen an Fonds und ETFs verwaltet. Ein relativ neuer Depotanbieter benötigt selbst bei einer hohen Wachstumrate lange, bis er über die Bestandsprovisionen nennenswerte Erträge erzielt. Alleine durch Bestandsprovisionen können die no-fee-broker nicht überleben. Ihre Einnahmen stammen daher noch aus einer zweiten, lukrativeren Quelle:

2. Einnahmen durch Zahlungen von Handelspartnern, Produktherstellern und Market Makern

Den größten Teil ihrer Einnahmen erzielen die no-fee-Broker durch Zahlungen von Handelspartnern, Produktherstellern und Market Makern. Wie bereits weiter oben geschrieben, erzielen andere Banken und Broker ebenfalls Einnahmen aus diesem Bereich.

Bei den Einnahmen  durch Zahlungen von Produktherstellern handelt es sich zum Teil um Zahlungen der gelisteten ETF-Anbieter. Kunden von Trade Republic bieten ihren Kunden zum Beispiel nur ETFs von ishares an. ETFs eines anderen Anbieters können Kunden nicht kaufen oder in Form eines Sparplans besparen. Kunden von Gratisbroker haben die Auswahl zwischen ETFs von DWS und Amundi und justTrade hat mit Amundi, DWS, iShares, Lyxor, Comstage, VanEck, Vanguard und UBS ETFs deutlich mehr ETF-Anbieter im Programm.  Dennoch kann man über die meisten (Direkt)Banken auf deutlich mehr ETF-Anbieter und ETFs zurückgreifen. Die kostenlosen Broker werden sicherlich durch die Beschränkung der ETF-Anbieter bzw. der Exklusivität Zahlungen erhalten. Außerdem wird es sich bei der Verhandlung über die Bestandsprovison positiv auswirken, wenn man einem ETF-Anbieter eine gewisse Exklusivität zusichern kann.

Zahlungen von Handelspartnern und Market Makern

Bei justTrade, Gratisbroker und Trade Republic können Kunden nur über einen bis maximal zwei Handelsplätze Wertpapiere kaufen und verkaufen. Trade Republic bietet den Handel über LS Exchange (Börse Hamburg), Gratisbroker über gettex (Börse München und justTrade sowohl über LS Exchange, als auch Quotrix (Börse Düsseldorf) an. Diese Handelsplätze zahlen Gebühren, wenn an sie Trades vermittelt werden. Besonders transparent ist der Gratisbroker bei seinen Einnahmen aus diesem Bereich und beziffert die Einnahmen mit 3€ + 0,25% je Geschäft über den Börsenplatz gettex und 3,0033€ je Handel eines Zertifikats bzw. Optionsscheins des Emittenten HSBC. Trade Republic spricht in seinen AGBs von Einnahmen von bis zu 3€ und auch bei justTrade werden die Zahlungen von Handelspartnern bzw. Abwicklungskostenzuschüsse offen kommuniziert. Die höheren Beträge bei Gratisbroker kommen durch die Mindestordergröße von 500€ zu Stande, die es bei Trade Republic nicht gibt.

Die Frage warum Handelsplätze Gebühren bezahlen, damit über sie Geschäfte abgewickelt werden ist völlig legitim. Es handelt sich bei diesen Handelsplätzen um im Vergleich mit Xetra oder der Börse Frankfurt deutlich kleinere Handelsplätze die für einen regen Handel Geschäftsvolumen von außerhalb benötigen. Außerdem sind an diesen Handelsplätzen Market Maker tätig, die Geld und Briefkurse bereit stellen und an Spreads (Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs) verdienen. Möchte man z.B. die Aktie XY handeln würde man bei LS Exchange eventuell einen Geldkurs von 10,40€ und einen Briefkurs von 10,80€ sehen. Das bedeutet, dass man die Aktie XY zu 10,40€ verkaufen und zu einem Preis von 10,80€ kaufen kann. Die Market Maker verdienen an den Spreads und finanzieren damit die Zahlungen an die Broker und Banken.

Die Spreads sind je nach Wertpapier und Uhrzeit unterschiedlich breit. Während der Xetra Handelszeiten (9.00 bis 17.30) sind die Spreads an den kleineren Handelsplätzen sehr klein. Erst wenn der Referenzmarkt geschlossen hat und somit der Vergleich der Kurse erschwert wird, weiten sich die Spreads weiter aus. Breitere Spreads finden sich außerdem bei wenig gehandelten Wertpapieren. Einige Leute befürchten, dass man über schlechte Kurse bei den no-fee-brokern daraufzahlt. Dies ist allerdings falsch. Die Kurse sind, wenn überhaupt, nur minimal schlechter im Vergleich mit Xetra. Negative Überraschungen bei Kauf- und Verkaufskursen sollte man aber generell durch eine Limitorder umgehen, und dies nicht nur bei den kostenfreien Brokern. Bei Orderwerten von nur wenigen hundert oder tausend Euro sind die Spreads außerdem zu vernachlässigen. Die Ordergebühren einer "normalen" Bank sind dann auf jeden Fall höher, als der "Verlust" durch eventuell leicht schlechtere Kurse. Wer häufiger Order in einem Wert von mehr als 5.000€ aufgibt, sollte besser ein weiteres Depot bei z.B. einer Direktbank wie der comdirect, onvista oder flatex haben, um die angebotenen Kurse besser vergleichen zu können.

In unseren Tests waren wir mit dem Kursniveau bei LS Exchange an sich zufrieden. Bei kleineren Nebenwerten, besonders aus dem Ausland waren die Spreads jedoch häufig breiter als z.B. bei tradegate. Über LS Exchange können übrigens auch Kunden der comdirect und der meisten anderen (Direkt)Banken handeln. 

Die Einnahmenseite der no-cost-broker haben wir somit beleuchtet. Bereits häufiger haben wir geschrieben, dass auch alle normalen Banken diese Einnahmen erzielen und z.B. Zuschüsse von Handelspartnern erhalten. Dennoch verlangen Direktbanken im Schnitt 10€ je Order. Bei den Filialbanken und Sparkassen liegen diese Gebühren in der Regel deutlich darüber. Um zu verstehen wie die kostenlosen Broker sich finanzieren, darf man sich nicht nur die Einnahmenseite ansehen.

Ausgaben der no fee Broker

Die Ausgabenseite der kostenlosen Broker wollen und können wir nicht im Detail erklären. Wie jedoch jedem bekannt sein sollte, haben die Direktbanken gegenüber den Filialbanken einen großen Kostenvorteil aufgrund der fehlenden Filialen und Mitarbeitern vor Ort. Im Bereich der Kosten gehen die gratis Broker noch einen Schritt weiter und konzentrieren sich auf das Wesentliche, nämlich den Wertpapierhandel. Häufig wird nicht einmal ein telefonischer Support angeboten, von Beratung ganz zu schweigen. Außerdem setzen alle drei Broker auf die neuste IT, wodurch sich viele Prozesse automatisieren und somit Personal einsparen lassen kann. Bei den Anbietern handelt es sich um junge, von Experten aus dem Wertpapierbereich gegründete Unternehmen, die alle mit deutschen Kreditinstituten zusammenarbeiten.

Folgende Leistungen werden von den low-fee-brokern  nicht angeboten:

  • Beratung
  • Support bzw. Handel übers Telefon 
  • Wertpapierkredit
  • Unterstützung bei Quellensteuerrückforderungen, wie z.B. die Ausstellung eines Tax-Vouchers
  • Startguthaben / Prämie zur Depoteröffnung, für den Depotwechsel oder fürs Freunde werben
  • Fondssparpläne (nur ETF)
  • spezielle Handelssoftware / Tools zur Chartanalyse usw.
  • Handel an Auslandsbörsen

Die Kosten der gebührenfreien Broker sind somit extrem niedrig. Es wird nur der Handel mit Wertpapieren angeboten und keine Zusatzgeschäfte, Serviceleistungen oder irgendwelche Extras. Wer Beratung oder etwas mehr Komfort von seinem Broker benötigt, ist daher bei einem low-cost-broker falsch aufgehoben.

Kosten für die Handelsabwicklung

Der Gratisbroker veröffentlicht genau, was sie je Trade an die das Depot führende Baader Bank bezahlen. Die Baader Bank führt nämlich die Kundendepots und Kundenkonten, weshalb Kundengelder auch über die deutsche Einlagensicherung abgesichert sind. justTrade und TradeRepublic kooperieren ebenfalls mit deutschen Banken. Gratisbroker zahlt je Abwicklung von Käufen und Verkäufen 2,50€ an die Baader Bank. Bei den Einnahmen hatten wir gezeigt, dass Gratisbroker je vermittelten Geschäft von LS Exchange etwas über 3€ erhält. Somit verdient Gratisbroker je Order eines Kunden mindestens 0,50€. Bei justTrade wird der Verdienst je Order vermutlich ähnlich hoch ausfallen. Trade Republic verlangt eine Fremdkostenpauschale von 1€ je Order, verzichtet dafür aber auch auf ein Mindestwert je Order.

Mit einem Verdienst von nur ca. 0,50€ je Order eines Kunden könnten Filialbanken und selbst die meisten Direktbanken sicherlich nicht überleben. Aufgrund der geringeren Kosten der no-cost-broker reichen ihnen jedoch die im Vergleich geringeren Einnahmen. Dennoch sind die Unterschiede der Gebühren im Vergleich wirklich extrem. Eine günstige Direktbank verlangt ca. 10€ je Order und verdient zum Teil zusätzlich noch an Zahlungen von Handelspartnern und weiteren Geschäften. Die neuen gratis Broker verdienen dagegen im Schnitt deutlich unter einem Euro je Order und können sich damit dennoch finanzieren. 

Schlussfazit

Aus den Unterlagen von Gratisbroker geht hervor, dass die Baader Bank je Kauf bzw. Verkauf von ETFs oder Aktien 2,50€ für die Abwicklung erhält. Die Baader Bank tut dies nicht aus Nächstenliebe, sondern wird an diesem Geschäfts ebenfalls verdienen. Die Abwicklung einer Order kostet für eine Bank somit deutlich unter 2,50€. Einige Quellen sprechen sogar von nur wenigen Cents. Ich wundere mich nicht darüber, dass einige Broker angefangen haben Trades für Kunden komplett kostenlos anzubieten, sondern das manche Banken weiterhin Gebühren von 30€ und mehr für die Abwicklung eines Wertpapierauftrages verlangen und die Kunden tatsächlich noch bereit sind solch hohe Gebühren zu bezahlen.

Bei einem hohen Vermögen und hohen Orderwerten mögen Orderkosten von zum Teil über 60€ (die meisten (Direkt)Banken verlangen neben einer festen Ordergebühr noch ein variables Orderentgelt, sodass mit dem Wert der Order die zu zahlende Orderprovision ansteigt) verkraftbar sein. Es handelt sich dennoch um Gebühren die sich vermeiden bzw. stark reduzieren lassen. Für Personen die nur kleinere Summen in Aktien oder ETFs anlegen können, bieten die "alten" Banken generell kein gutes Angebot. Ordergebühren von bestenfalls 7€ je Kauf oder Verkauf sind zu viel, wenn man nur wenige hundert Euro je Order investieren möchte. Die no-cost-broker bieten somit besonders jüngeren Personen eine Möglichkeit zu sehr guten Konditionen in den Vermögensaufbau mit Wertpapieren einzusteigen. Bisher war dies nur über kostenlose bzw. günstige ETF-Sparpläne möglich. Die kostenlosen Broker besetzen somit eine interessante Nische, die von den anderen Depotanbietern bisher vernachlässigt wurde.

In anderen Artikeln dieser Seite haben wir auch die Nachteile der kostenlosen Broker stärker hervorgehoben. Wer jedoch keine Beratung benötigt und hauptsächlich Aktien und ETFs im Wert von maximal 3.000€ bis 5.000€ handelt, findet in den drei deutschen gratis Brokern sehr gute Depotanbieter. In unserem gratis Broker Vergleich haben wir die Anbieter genauer verglichen und nennen die jeweiligen Vor- und Nachteile.